Online Lernen Unternehmen

Ein Haus zu bauen gelingt nur, wenn man sich Gedanken über Architektur, Statik und Bauplanung macht. Die erfolgreiche Implementierung von E-Learning oder der Aufbau einer Online-Akademie gelingt auch nur bei sorgfältiger Planung. Denn nur wenn alle Aufgaben, das richtige Projektteam, die Kosten und andere Element sauber vorbereitet sind, wird auch der Aufbau, die E-Learning-Implementierung reibungslos laufen. Das heisst: Stellen Sie sicher, dass alle betroffenen Abteilungen auch involviert sind, dass mögliche Alternativen sorgfältig geprüft und die Entscheidungen auch dokumentiert sind.  Erstellen Sie einen Fahrplan Richtung Digitale Bildung, der für alle Projektbeteiligten gilt und eine klare Orientierung gibt. Sieben Erfolgsfaktoren tragen zu einem erfolgreichen Aufbau einer Online-Lernarchitektur bei:

1. Klare Ziele

Unklare Ziele und Erwartungen sind eine der größten Fehler, die beim Aufbau von Online-Lernen passieren können. Was möchten Sie mit E-Learning erreichen? Hier kann die Antwort in verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens sehr unterschiedlich ausfallen, manchmal sogar in einem Team.

Die Geschäftsleitung oder Finanzabteilung hat klare Vorstellungen zu Einsparungen und zum Return on Investment. Marketing und Produktmanagement wünschen sich einen baldigen Start der Online-Akademie, um Kunden besser ansprechen zu können. Die IT-Abteilung hat klare Vorstellungen zu Geräten, Sicherheit, Lizensierung von Software und Hardware. Die Benutzer wünschen sich flexibles Lernen von mobilen Geräten. Die Personalabteilung verfolgt eine eindeutige Qualifizierungsstrategie, die zum neuen Kompetenzmanagement passt.

Hier gilt es, von vorne herein ein klares Bild der Erwartungen zu gewinnen und daraus das strategische Ziel zu entwickeln.

2. Plan für die Implementierung eines Lernmanagement-Systems

Eine Lernmanagement-System (LMS), auch Lernplattform genannt, ist das technische Herzstück von E-Learning. Die wohl weltweit bekannteste Plattform ist Moodle, eher im deutschen Sprachraum verbreitete Lösungen sind Ilias und OpenOLAT.

Ein LMS benötigt man zur Kurs- und Teilnehmerverwaltung, zur Auswertung des Lernerfolgs und für die Kommunikation. Viele Unternehmen entscheiden sich mittlerweile für Miet-Lösungen (Software as a Service) , die einfach über das Internet bereitgestellt werden.  Diese Lösungen beinhalten in der Regel

  • Server and Datenbankarchitektur
  • Anwendungen
  • Sicherheit und Backup
  • Aktualisierungen
  • Option für Skalierung

Bei der Auswahl eines LMS sollte man auch den späteren Support der Lerner im Auge haben, um hier unnötig hohen Aufwand zu vermeiden. Zur Entscheidung für ein Learning Management-System kommen häufig auch noch Überlegungen, welche Software eingesetzt werden soll, um die Inhalte zu erstellen. Häufig bieten LMS bereits solche Autorenwerkzeuge. Daneben werden auch externe Autorenwerkzeuge wie Articulate 360, Adobe Captivate, iSpring oder IdeaTeam eingesetzt.

3. Ein E-Learning-Team

Ein E-Learning-Team muss nicht gross sein. Wichtig ist, die richtigen Leute dabei zu haben und ihre Unterstützung zu sichern. Gleichzeitig muss dieses Team dafür sorgen, dass das Projekt nicht durch immer neue Anforderungen aus dem Ruder läuft. In jedem Fall sollten beim Aufbau einer Online-Akademie dabei sein:

  • Projektleitung:  sie ist dafür verantwortlich, den Plan in der geplanten Zeit, mit den vorgesehenen Ressourcen und im geplanten Umfang umzusetzen.
  • Vertreter aller Abteilungen, die in das Projekt involviert sind, meist HR, Finanzen oder Geschäftsleitung, Produktmanagement, Marketing sowie der Betriebsrat usw.
  • Technikteam: Mit der IT-Abteilung den genauen Ressourcenbedarf zu bestimmen, ist kritisch für den Erfolg des Vorhabens. Das IT-Team hat den Blick auf geeignete Hard- und Software, die Integration mit anderen Systemen, Datenschutz und Datensicherheit, Skalierbarkeit und Bandbreite.

Das Team sollte anfangs in die Kursplanung mit einbezogen werden, auch um die Kurse zu testen. So lassen sich Ziele und Umfang besser abstimmen und in einer Frühphase einbeziehen.

4. Qualitätsstandards

Im Team sollten geeignete Methoden und Verfahren angewendet werden, um Erwartungen abzugleichen und gemeinsame Ziele und Qualitätsstandards zu entwickeln. Das können Vereinbarungen zur Gestaltung der Kurse sein („Ein Kurs ist für uns gut, wenn…“). Qualitätsstandards gelten auch für die Zusammenarbeit im E-Learning-Team. Dazu sollte jede Person eine definierte Rolle haben, sowie definierte Aufgaben und Qualitätsanforderungen für Lieferungen.

5. Risikomanagement

Projekte mit Technologie können sich anders entwickelt als geplant oder erwartet. Typische Fehler bei E-Learning-Projekten sind

  • Das Projekt läuft aus dem Ruder: Zeit, Budget, Umfang, Qualität
  • Das Lernmanagement-System entspricht nicht den Erwartungen der Nutzer, z.B. zu kompliziert
  • Die Lerner schimpfen auf das System.
  • Das gewählte System unterstützt nicht die Ziele des Projekts.

Deshalb sollte man ein Risikomanagement aufsetzen, um mögliche Probleme im Vorfeld und während des Rollouts zu erkennen und abzufedern.

6. Training-Fahrplan

Das E-Learning-Team sollte den tatsächlichen Trainingsbedarf detailliert erheben. Hier sind Unterscheidungen nach Abteilungen, nach Themen, nach Dringlichkeit und nach Ausbaustufen hilfreich. Um die Erwartungen aller Beteiligten klar zu managen, empfiehlt es sich diesen Trainingsbedarf und die dafür erforderlichen Kurse klar zu priorisieren und diese Priorisierung auch deutlich zu kommunizieren. So kann ein Trainingsfahrplan aussehen.

 

Nr. Name des Kurses Start Ende Zielgruppe Priorität
1 Produkttraining1 12.7.2017 12.9.17 Marketing und Vertrieb  1
2 Produkttraining 2 15.9.17 15.11.17 Marketing und Vertrieb  5

7. Kommunikationsstrategie

Wenn Sie E-Learning implementieren, kommen die Teilnehmer nicht unbedingt gleich in Scharen. Deshalb sollten Sie in der Implementierungsphase schon daran denken, wie Sie Online-Lernen in ihrer Organisation bekannt machen. Machen Sie einen detaillierten Plan zu Botschaften, Aktivitäten und Zielgruppen. Dieser Plan kann so aussehen:

Zielgruppe Botschaft Aktivitäten
Mittlere Führungsebene Mit dem neuen Zeitmanagement-Kurs erhöhen Sie die Teamproduktivität 1 Blogpost pro Woche

 

 Vertrieb Mit den neuen Kursen verbessern Sie Ihren Kundenservice Die potentiellen Teilnehmer erhalten jede Woche eine Quizfrage mit dem Hinweis auf den Kurs.

 

Erfolg messen

Den Erfolg einer E-Learning-Implementierung zu messen, kann an verschiedenen Indikatoren gemessen werden:

  • Nutzung der Lernplattform: Wie viele Teilnehmer besuchen die Lernplattform, wie oft, wie lange bleiben sie, welche Seiten sind besonders beliebt, bei welchen Seiten steigen die Teilnehmer aus?
  • Feedback der Nutzer, erhoben durch Fragebögen, Punktebewertungen, usw.
  • Lernerfolg: Wie viele Nutzer schliessen erfolgreich ab, erwerben ein Zertifikat?

Der wichtigste Erfolg ist allerdings am schwersten zu messen: Wie stark hat das Lernen zum Erreichen der Geschäftsziele beigetragen, wie z.B. „Wie stark hat sich der Produktvertrieb verbessert, seitdem wir detaillierte Produktschulungen anbieten?“ Will man hier saubere Ergebnisse erzielen, muss der Stand vor Start des E-Learning erhoben werden. Gleichzeitig ist auszuschliessen, dass andere Faktoren den Geschäftserfolg vielleicht stärker beeinflusst haben, wie z.B. neue Bonusregelungen.

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